adrianoesch

über copyright in der digitalen welt.

In copyright on 30. Mai 2011 at 11:41

seit längerem verfolge ich marcel weiss‘ blog in dem er u.a. von der digitalen wirtschaft berichtet. des weiteren fand letzte woche ja gerade sarkozys eg8-forum statt. aus diesen gründen hat mich die letzten tage die thematik rund um das thema copyright in der digitalen welt adsorbiert, obwohl ich mich auf anstehende prüfungen hätte vorbereiten müssen. ich glaube, einen paradigmenwechsel gefunden zu haben und versuche diesen im folgenden zu benennen.

das copyright hat im digitalen raum keine gültigkeit. wenn ich ein t-shirt unendlich mal kopieren könnte, würde ein einzelnes t-shirt auch fast keinen wert mehr haben, folgend aus dem gesetz der preisregulation durch angebot und nachfrage. das einzige, was dann noch einen wert hätte, weil darin eine leistung gesehen werden kann, ist das design. (tatsächlich ist die produktion nur noch für einen bruchteil des verkaufspreises verantwortlich.) genau gleich verhält es sich im internet, nur mit dem unterschied, dass im internet die kostenlose duplikation keine phantasie ist. ein digitales produkt kann man nicht mehr verkaufen, denn es ist praktisch zum nulltarif kopierbar und die kosten die entstehen, übernimmt der internetnutzer.

es sollte deswegen versucht werden, neu die produktion und nicht mehr das produkt zu verkaufen. das wertvolle ist die produktion, das entwerfen von digitalen inhalten oder beim unendlich vervielfältigbaren t-shirt eben dessen design. die wirtschaft muss ihren fokus neu ausrichten. jérémie zimmermann von la quadratur du net formulierte am schluss seines statements am eg8 panel über intellectual property die sachlage ziemlich treffend: „lastly, a last point, something you seem to forget, is that culture, music, and films are things that we love with our emotions and when we love, we are always ready to support and help the creation.“ er spricht von unterstützung der kreation und nicht des kreierten und genau da liegt auch das finanzielle potential!

es handelt sich hier um einen paradigmenwechsel wie ihn martin oetting in den ersten minuten von seinem vortrag anlässlich des scholz & friends digital camp sehr schön beschreibt. er spricht mit bezug auf thomas kuhn wie die leute allmählich bemerkten, dass die phänomene der welt besser erkärt werden könnten, wenn man sie als kugel und nicht mehr als scheibe betrachten würde. oetting veranschaulicht die verschiedenen weltbilder mit einer kisten-metapher und den sog. paradigmenwechsel als sprung von der einen kiste zur anderen. erste hinweise, dass die welt doch nicht flach ist, werden höchst wahrscheinlich ignoriert. zu gross ist noch der aufklärungscharakter der alten theorien. doch mit der zeit häufen sich erkenntnisse, die nicht mehr in die alte kiste passen, bis dann versucht wird, eine neue kiste zu definieren. natürlich gibts viel widerstand gegen neue theorien. ich möchte hier auch auf den aspekt des selbstwertschutzes verweisen. wenn sich personen jahrelang mit einer gewissen lehre selbst identifizierten, kann diese nur mit viel kraft und noch mehr selbstbewusstsein losgelassen werden. anyway, irgendwann wird die neue theorie auch von einer breiteren gesellschaft akzeptiert, wahrscheinlich auch zusammenhängend mit dem heranwachsen einer neuen generation, die sich noch unbefangen(-er) ein weltbild zusammenschustern kann. und genau in einem solchen paradigmenwechsel stecken wir zurzeit. und exakt von diesen kisten redete john perry barlow an demselben eg8 panel, wenn er meint, er sei von einem anderen planeten. sehr schön ersichtlich wird dies auch bei jim gianopulos erwiderung auf jérémie. gianopulos, vorsitzender bei fox filmed entertainment, wird sehr unfreundlich, spricht jérémie in arrogantem ton jegliches logisches denken ab, sieht selber jedoch den wichtigen unterschied zwischen einem anologen und digitalen produkt nicht. er sitzt noch in der „alten“ kiste. (über die gründe der gesetzmässigkeiten der alten kiste möchte ich gerne ein anderes mal schreiben.)

crowdfunding ist eine entwicklung, die in die neue richtung geht. sie verwirklicht genau diesen wechsel vom verkauf des produkts zum verkauf der produktion. der user wird zum investor. ich kann mir auch gut vorstellen, dass daraus mal eine ganze industrie wird, die im grossen stil geld für die produktion von digitalen inhalten sammelt und dieses dann verteilt werden, denn nicht jeder hat die möglichkeit sich so intensiv mit den kreatoren und deren projekten zu beschäftigen, wie bei derzeitigen crowdfunding plattformen. eine voraussetzung für die bildung einer solchen industrie wäre jedoch transparenz, damit user sich gezielt für den von ihnen gewünschten content aussprechen können.

anmerkung: dies ist mein erster blogpost. ich bin dankbar für jegliche korrekturen und hinweise. natürlich sind auch jegliche gegenargumente etc. willkommen. dieses blog soll nicht umsonst mit dem wort diskurs überschrieben sein. demnächst würde ich gerne die unabwendbarkeit dieser veränderungen beschreiben und auch auf den siegeszug von „usergeneriertem“ content eingehen, der meiner ansicht nach noch lange voran gehen wird. mal schauen, was passiert.

  1. Da gibt es ein schönes Modell in der Wirtschaftstheorie dafür. Nennt sich „Tendenzieller Fall der Profitrate“. Die geht davon aus, dass ausschließlich menschliche Arbeitskraft Wert schafft. Eine Maschine ruft nur den Wert ab, der in ihr steckt. Das führt dazu, dass Rationalisierung die Profitrate senken, weswegen Krisen durch Überproduktion und Preisverfall unausweichlich …

    Erinnert das an etwas?

    • vielen dank für den hinweis. diese theorie war mir nicht bekannt.

      ich frag mich, ob überproduktion und preisverfall wirklich zu einer krise führen müssen, wie es laut wiki in den 30er jahren der fall war. aber ob dies auch in der digitalen welt gilt, wo per se eine überproduktion besteht. im internet spielt kapital verglichen zur analogen welt doch sowieso eine kleinere rolle. man kann mit weniger geld, sehr viel erreichen. in dem zusammenhang spielt für mich das stichwort intrinsische motivation auch mit hinein, und die erkentnis, dass materielle belohnung damit negativ korreliert sei. http://www.ted.com/talks/dan_pink_on_motivation.html

  2. Die US-Medienaufsicht kritisiert in einem 465-Seiten-Papier den Mangel an lokalen Nachrichten und das Verschwinden des investigativen Journalismus. Ideen, was dagegen zu tun sei, präsentiert die Behörde nicht. Diese Entwicklung ist bedauerlich. Dennoch spüre ich bei vielen Menschen eine Art Aufbruchstimmung. Die nächsten Jahre werden bestimmt interessant. http://paidcontent.org/article/419-fcc-report-cites-lack-of-local-news-but-has-no-ideas-to-fill-the-gap/

    • vielen dank für den link. aber ich bin mir nicht sicher, ob der rückgang an lokalen news wirklich so bedauerlich ist. als eine globalisierte gesellschaft, die wir schon lange sind, verlieren lokale news an bedeutsamkeit. sie müssen sich vermehrt mit internationalen news messen. und wer schaut schon gern in des nachbars garten, wenn er quasi live die revolution in kairo begaffen kann. womit wir schon bei eli parsers filterbubble-problem sind. aber solange lokale neuigkeiten an wert haben, werden sie auch publiziert und gelesen. und das streben der menschen nach individualität wird, so glaub ich, auch dafür sorgen, dass verschiedenste lokale informationen verarbeitet werden, die bei nötiger wichtigkeit auch grössere teile des netzwerks in erregung versetzten können. – dafür liebe ich kruses netzwerk-erkärungen. – http://www.youtube.com/watch?v=TVj8QpwJdMg

  3. […] habe im vorigen post zu copyright in digitalien anhand eines beispiels versucht, die notwendigkeit des kopierschutz’ theoretisch zu […]

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: