adrianoesch

über liquid democracy, piraten und verantwortung

In internet & gesellschaft, random on 8. Dezember 2011 at 19:20

ein kurzer gedanke.

offensichtlich musste @afelia gestern einiges erdulden. sie hat sich entschieden die an sie gewandte kritik mit ihrer antwort zu veröffentlichen, was dann von ziemlich vielen verlinkt wurde, und so auch mich erreichte. ich finde diesen nachrichtenaustausch ziemlich interessant, da er uns zeigt, wieso direkte demokratie eben doch ein ideal ist und wie liquidfeedback verantwortung umverteilt.

doch von anfang an. was war die kritik? ein gewisser B. war von der „art“ wie @afelia sich in der tagesschau präsentierte nicht ganz – sagen wir einmal – überzeugt. und dieses BGE-zeugs sei doch alles „revoluzzerscheiss“. ich nehm an, dass viele leute und institutionen, die in der öffentlichkeit positionen beziehen solche kritik einstecken müssen. bei extra3 werden beispielsweise auch immer wieder amüsante leserbriefe in z.t. ähnlichem tonfall vorgelesen. was extra3 und andere persönlichkeiten jedoch nicht können, ist antworten, wie’s @afelia getan hat. sie listet drei punkte auf, ich möchte hier jedoch nur auf den 2. verweisen, der da wäre:

„Wenn Sie das [eine andere Partei wählen] nicht wollen, können Sie gern an unserem Programm mitarbeiten und es verbessern, sofern Sie sich in der Lage sehen, auf persönliche Angriffe zu verzichten.“

ich interpretiere das folgendermassen: wenn herrn B. das parteiprogramm nicht gefällt, dann ist das entweder seine eigene schuld, weil er seine ideen nicht eingebracht und für sie geworben hat, oder er wurde überstimmt, was hingegen seine kritik ins lächerliche ziehen würde, da er dann einfach ein schlechter verlierer wäre. durch liquidfeedback liegt die verantwortung der partei primär in den händen derer mitglieder, und nicht bei irgendwelchen politiker. liquidfeedback stellt eine entmachtung der politik dar, was mit verantwortungsumverteilung einhergeht. das finde ich gut.

ich habe in einem kurzen kommentarwechsel mit stefan schulz bereits mal aufgezeigt, dass die verantwortung ohnehin beim volk liegt, da dieses durch den wahlvorgang, gewisse personen ermächtigt, ihnen dadurch ihre macht legitimiert, diese machtspersonen jedoch keine realen konsequenzen zu tragen haben (und wenn, dann nur politische). das stellt ein ungleichgewicht dar. wer konsequenzen trägt, und verantwortung trägt, sollte auch mitbestimmen dürfen.

ich möchte einen weiteren vergleich ziehen. der postdramatiker hat mal im intro eines posts geschrieben:

„[Ich] stütze mich […] fürderhin auf verfügbare und vielleicht nicht immer den Ansprüchen genügende, digital vorliegende Quellen. Insbesondere Wikipedia – deren größter Nachteil darin besteht, dass alle, denen danach ist, Einspruch gegen die inhaltlich von mir aufgegriffenen oder zitierten Passagen zu erheben, daran mitarbeiten müssten, die Inhalte so aufzubereiten, dass ich daraus legitim und verlässlich ableiten kann. Der Vorteil: Sie können es.“

mir gefiel diese passage so sehr, dass ich sie gleich als hinweis in mein „about“ einfügte, natürlich mit verweis. im internet funktioniert vieles nach einem ähnlichen muster, wie liquidfeedback und wikipedia. dadurch, dass alle veröffentlichen können, dass alle an wikipedia mitarbeiten können, und dass alle an einem parteiprogramm mitwirken können, wird die verantwortung abgegeben bzw. umverteilt, womit dann alle gleichermassen in der pflicht sind. vielleicht ein bisschen pathetisch, und vielleicht auch ein wenig naiv/idealistisch, aber irgendwie so ist es doch?

  1. „dadurch, dass alle veröffentlichen können, dass alle an wikipedia mitarbeiten können, und dass alle an einem parteiprogramm mitwirken können, wird die verantwortung abgegeben bzw. umverteilt, womit dann alle gleichermassen in der pflicht sind. vielleicht ein bisschen pathetisch, und vielleicht auch ein wenig naiv/idealistisch, aber irgendwie so ist es doch?“

    Dass ist nur bei den Piraten so und bei Wikipedia, denke ich. Ich z. B. wollte mich schon seit etlichen Jahren für Politik engagieren, aber die Programme der bekannten Parteien waren wie in Stein gemeißelt und hatten einen Charakter wie das Grundgesetz oder die 10 Gebote, also irgendwie unnahbar und unangreifbar.

    Im Piratenwiki kann man aber das Programm der Piratenpartei einsehen und sich selbst überlegen, was man daran verändern könnte. Ich habe damit letzte Woche angefangen, indem ich einen Teil zu Wirtschaft und Energie schreibe. Hier können die Piraten wirklich neue Akzente setzen, was sie ja beim Thema Basisdemokratie schon tun.

    Dann schreibe ich meinen Teil mal fertig und stelle den zur Diskussion, bin mal gespannt, ob der am Ende ins Parteiprogramm kommt. Wenn ja, dann wäre das eine ganz feine Sache.

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