adrianoesch

über sinnhaftigkeit, varianz und innovation

In copyright, internet & gesellschaft on 13. Mai 2012 at 19:22

ein wirres gedankenspiel.

heute wurde bei mir ein artikel über youtube angespühlt, durch welchen ich verschiedene bereits hier im blog angedeutete sichtweisen bestätigt sehe. ich werde die fäden etwas weiter spinnen…

tl;dr: these: toleranz von sinnlosigkeit führt zu varianz. varianz führt zu innovation. innovation führt zu dominanz.

youtube ermöglicht es jedem holzkopf videos hochzuladen. für jeden erfahrenen youtuber ist es offensichtlich, dass auf der plattform sehr viel müll herum schwimmt. auch wenn youtube nur wenige offizielle zahlen veröffentlicht, denke ich, darf man davon ausgehen, dass nur ein minimaler bruchteil der videos sich finanziell lohnen. das heisst, nur die wenigsten clips werden so oft angesehen, dass die werbung mehr ertrag abwirft, als fürs hosting aufgewendet wird. es wird strenggenommen also querfinanziert. rihanna ermöglicht mit ihren milliarden klicks zugleich den sinnlosen kommentar von peter muster. youtube könnte doch aber auch nur mit ausgewählten partner zusammenarbeiten? google würde so doch ungemein geld einsparen können? sie tun das jedoch nicht, und wie ich meine aus gutem grunde. genau darin sehe ich das erfolgsrezept von youtube, vielleicht digitalien allgemein.

die toleranz unwirtschaftlicher videos führt zu einer ungeheuren varianz. und genau diese grosse varianz gekoppelt mit sozialen bewertungsmechanismen befördert immer wieder perlen aus den untiefen des internetdschungels. ich werde regelmässig überrascht, was es alles auf youtube gibt. mit unter diese innovationskraft macht für mich ein grossteil der faszination youtube aus. vor allem weil sie subjektive sinnlosigkeit in derart grossem ausmass tolerieren, ermöglichen sie sinnselektion.

ich habe in älteren blogposts (1 & 2) bereits versucht aufzuzeigen, dass sinn nicht gestiftet, sondern selegiert wird. neues wird immer zuerst als sinnlos bewertet. mit den worten lobos: quatsch ist systemrelevant. ich meine damit auch mit einerseits sartre zu argumentieren, der meinte, die existenz geht der essenz voraus. der sinn eines objekts stellt sich erst durch den gebrauch ein und kann sich auch verändern. und andererseits interpretiere ich auch dirk baecker dahingehend, wenn er davon schreibt, dass jedes neue medium, überschusssinn mit sich bringt. wenn eine gesellschaft innovativ sein möchte, dann sollte sie darum bemüht sein, möglichst viel sinnlosigkeit zu tolerieren. je mehr varianz es in einer gesellschaft gibt, desto wahrscheinlicher ist innovation. (übrigens auch peter kruse meint, dass resonanz nicht vorhersagbar ist. wie genau resonanz mit sinnfindung zusammenhängt, wird hoffentlich mal ein separater blogpost.)

zurück zu youtube. das phänomen youtube ist nur möglich, weil die kosten des hostings und der transaktion extrem gesunken sind. die digitalisierung ermöglicht, mit gleichbleibendem finanziellen aufwand ein bisher unerreichtes mass an sinnlosigkeit zu tolerieren. und darin liegt die innovationskraft und somit überlebenskraft von youtube, das in internetjahren gerechnet nun ja doch schon eher zum älteren eisen gehört ;)

so viel zum jetzigen zeitpunkt. vielleicht ist das alles auch nur blullshit, trotzdem habe ich das gefühl (!) am ende dieses argumentationsmusters ein licht zu sehen ;) still a long way to go: wieviel sinnlosigkeit verträgt eine gesellschaft? welche parameter beeinflussen toleranz? wie hat sich gesellschaftliche varianz geschichtlich gesehen entwickelt? wie hängen querfinanzierung am beispiel youtubes nochmal mit der kopierfreudigen jugend von heute zusammen? mehr später.

  1. das internet in der schweiz verbraucht mehr strom als mühleberg jährlich produziert. sehr gut deine beobachtungen der sinnlosigkeit. irgendwie sehe ich da auch beschreibungen des popularismus, welcher sich auch so beschreiben liesse. findet es einer gut, findet sich sicherlich auch ein zweiter. sind es genug, finden es alle gut. welcome to bullshit of internet. tendenz zur komplexität. (tendenz zur varianz) am anfang ist null. gehst du einen schritt nach rechts könntest du auch einen nach links gehen. möglichkeiten entstehen durch handlungen, varianz schlicht durch zeit? hmmm verliere mich. danke für anregungen! gruss

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: